Heute brechen wir nach dem Frühstück zusammen mit Mihaela nach Campina auf. Wir besuchen einen weiteren öffentlichen Shelter, mit dem Unterschied zu Bucov, dass hier getötet wird, sobald die erlaubte Anzahl an Hunden die 200 übersteigt.

 

TAG 4 – Campina

Heute brechen wir nach dem Frühstück zusammen mit Mihaela nach Campina auf. Wir besuchen einen weiteren öffentlichen Shelter, mit dem Unterschied zu Bucov, dass hier getötet wird, sobald die erlaubte Anzahl an Hunden die 200 übersteigt.

Mihaela will mit dem Chef verhandeln – sie sagt selbst, dass sie keine Wunder vollbringen kann, aber zumindest ein paar der Hunde will sie retten und deren Ausreise ermöglichen.

Der Tag entwickelt sich zu dem bisher schlimmsten für uns. Es ist unerträglich heiß, die Tiere in Campina haben keinen Schutz vor der Sonne, dafür sind die Kennels aber recht groß.

Das Gelände selbst ist klein und überschaubar und es leben hier viel weniger Hunde als in Bucov, aber der Chef bleibt hart: Mihaela soll die Hunde schnellstmöglich heraus schaffen, ansonsten wird eben getötet.
Es wird viel diskutiert, Mihaela schüttelt immer wieder den Kopf, fährt die Arbeiter wütend an, sie sollen die Tiere zumindest anständig verteilen, denn es werden einfach wahllos Große, Kleine, Kranke und Welpen zusammen in die Kennel gesteckt, was natürlich zu Konflikten zwischen den Hunden führen kann.

Die Männer folgen Mihaela’s Anweisungen unter Mithilfe einer ihrer eigenen Mitarbeiter, der sie begleitet und den wir als ruhigen und bescheidenen Menschen sehr schätzen.
Mihaela einigt sich derweil mit dem Chef darauf, einen Teil der Hunde impfen und chippen zu dürfen, denn nur so dürfen die Tiere zu möglichen Adoptanten ausreisen. Auch wird ihr eine gewisse Zeit gewährt, eine Schonfrist sozusagen, damit die Tiere auch eine reale Chance auf die Ausreise haben.

Meine Stimmung wird immer gedrückter, denn wir werden nicht alle Hunde retten können. Ich stehe völlig überfordert an den Gittern eines Kennels und streichle ein paar Hunde, als plötzlich ein kleiner Welpe angelaufen kommt und seinen Kopf durch das Gitter drückt. Er jammert, weint, knabbert an meinen Fingern, greift mit seinen Patschepfötchen immer wieder nach mir und als ich aufstehe, um Micha zu holen, weil ich ihm den Kleinen zeigen will, jault er laut. Ich kann ihn nicht da lassen. Zusammen mit ein paar anderen Hunden, die wir schon in Transportboxen verladen haben, da Mihaela sie aufgrund ihres schlechten gesundheitlichen Zustands umgehend in diversen Kliniken behandeln lassen will, kommt der Kleine aus seinem Gefängnis frei und ist so dankbar, dass er mir nicht mehr von der Seite weicht.

Erschöpft schläft er noch im Shelter auf meinem Schoß ein, und ich bin ebenso erschöpft – das alles geht mir einfach zu nah. Ich sitze mit ihm an eine Mauer gelehnt etwas abseits von den Kennels, warte darauf, bis alle Hunde in dem ausgewählten Kennel von Mihaela geimpft und gechippt wurden. Dann können wir endlich weg hier.
Einer der Hundefänger kommt lachend auf mich zu, als ich aufstehe, zeigt auf den Kleinen, den ich Timo genannt habe, will ihm über den Kopf streicheln, wie es scheint. Aber mein Kleiner knurrt und bellt – er weiß sicher, warum.
Auch Micha und Uta haben einen Schatz für sich gefunden: Stuart und Erika. Erika benimmt sich ähnlich wie Timo: Uta wird eifersüchtig bewacht und die Kleine will ihr nicht mehr von der Seite weichen.

In Bucov angekommen, versorgen wir zunächst unsere Neuankömmlinge, ich muss Timo noch einmal zurück lassen, der medizinischen Versorgung wegen. Er weint wieder laut, als er in den Kennel für die kleinen Neuankömmlinge gesetzt wird und mir zerreißt es das Herz. Wir brechen heute früher ab und fahren mit schweren Herzen zur Pension, jeder in seine Gedanken versunken.

Ich denke an all die Hunde, die wir schon gerettet haben, und die, die wir nicht retten können, an unsere glücklichen Fellnasen zu Hause, die diese ganzen Schrecknisse selbst einmal durchmachen mussten. Ich denke an Timo, der bald für immer bei mir sein kann und an das kleine Würmchen, das die erste Nacht mit uns im Gästezimmer im Sanctuary verbracht hat und es leider nicht geschafft hat, wie Aniela uns berichtet. Wir hatten sie Soraya genannt, die Kleine.

Ich wünschte, ich könnte Schöneres berichten, bin selbst noch immer so traurig von diesem Tag, aber der Alltag hier sieht eben so aus, und deswegen sind wir ja auch hier – damit es irgendwann hoffentlich besser wird.

Bis morgen, sage ich erneut und wünsche euch einen ruhigen Abend. Eure Jess

PS.: Achtet bitte auf das Event von Mihaela, das Micha hier anfügt, denn hier erfahrt ihr alles über die Hunde aus Campina, die noch eine Möglichkeit auf Leben haben… Teilen, unterstützen, helfen… Das Leben dieser Tiere hängt davon ab…

https://www.facebook.com/events/225294177972303/

Besuchszeiten Karlsruhe:

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Besuchszeiten Oberwies:

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