Geburtsdatum: ca. 2020
Verstorben: Oktober 2022

Loslassen lernen…
 
 
Ich brauchte den gestrigen Tag, um mich zu sammeln. Ihr habt uns alle eine gute Fahrt nach Süddeutschland zum Rolli-Spezialisten gewünscht und dann musste ich am Vorabend vor dem “Großen Tag” feststellen, dass Mikeschs rechtes Bein plötzlich innerhalb weniger Stunden dick angeschwollen und sehr schmerzhaft für ihn war. Ich wollte ihn gerade zum letzten Mal, bevor es in die Federn geht, raus setzen, als ich es sah…
 
 
Seit dem Abendessen waren nur wenige Stunden vergangen, da war noch alles gut gewesen, natürlich den Umständen entsprechend. Ich wollte bis zum Morgen warten, ahnte aber schon, dass es mit der geplanten Fahrt nichts geben wird – einem Tier mit starken Schmerzen mutet man nicht so eine lange Fahrt zu, allerhöchstens in eine Klinik, aber nicht so etwas. Als ob es nicht sein sollte…
 
 
Es hatte schon ein bisschen was von diesen “Zufällen”, bei denen du das Gefühl hast, dass es irgendwie mehr als bloß Zufall ist, auch wenn mich dieser Zufall erst einmal in eine kurze, heftige Krise stürzte… Der “Rolli-Mann”, wie ich ihn nenne, ist ab nächster Woche im Urlaub und dann hätten wir erstmal wieder für rund einen Monat keine Möglichkeit gehabt, an so einen speziellen Outdoor-Frontrolli zu kommen. Und Mikesch läuft die Zeit davon, das wissen wir alle… Der Rolli wäre eine lebensverlängernde Maßnahme gewesen, nicht mehr, sollte ihm noch etwas Lebensqualität zurückgeben, solange er lebt.
 
 
Ich saß niedergeschlagen in der Quarantänestation, zusammen mit Micha, meinem Bärenmann, und Mikesch in meinem Arm. Wir redeten. Lange. Leise. Er ruhig und vernünftig wie immer, ich ruhig und weinend. Holten uns die ganzen Befunde und Röntgenbilder, ich starrte auf diese scheiß Bilder, die zeigen, dass man echt nichts mehr tun kann, um die Beine zu retten. Was ich wusste, was wir alle wussten, aber wir hätten nicht gedacht, dass wir den Kampf so schnell verlieren würden. Denn Mikesch hat seit zwei Tagen stärkere Schmerzen, gegen die ich jetzt nicht mehr vollständig ankomme mit der Schmerzmedikation. Und seit gestern Abend will er das Bein, das angeschwollen war, fast gar nicht mehr benutzen.
 
 
Das ist nicht mehr lebenswert. Es ging jetzt ganz schnell, super plötzlich: der fortschreitende Abbau seines Körpers, der ihn nun auch seelisch belastet. Vorher war das Terrier-Löwenköpfchen ein Fighter, von dem sich jeder eine Scheibe abschneiden konnte, aber seit vorgestern merkt man, dass er seinen Körper langsam als Last empfindet. Was ihm vor drei Tagen noch Spaß gemacht hat – Spaziergänge im Buggy durch die Landschaft – frustriert ihn nun, da ihm bewusst wird, WIE gehandicapped er ist. Gestern wollte er trotz Schmerzen den Staren auf den Feldern hinterher jagen und blieb dann schnaufend sitzen, weil es einfach nicht ging. Nur schmusen und im Liegen spielen machen ihm noch wirklich Spaß.
 
 
Wir müssen jetzt loslassen, ihr Lieben. Es tut sehr, sehr, sehr weh und ich denke, dass ich bald erstmal eine Weile eine Auszeit vom öffentlichen Leben nehmen werde, um wieder neue Kraft schöpfen zu können, will mich Hals und Herz über Kopf in meine Arbeit hier auf dem Hof stürzen und in Ruhe im Kreise meiner Liebsten trauern und verarbeiten. Ich bin kein Mensch, der das gerne öffentlich macht, dafür mag ich mich zurückziehen.
 
 
Es ist schon schmerzhaft, ein altes Tier gehen zu lassen, auch wenn man weiß, dass die Zeit gekommen ist. Einen so jungen Hund gehen zu lassen, wenn der Kopf noch so fit ist, weil der Körper einfach kaputt ist, das ist eine Lektion, die ich gerade lernen muss. Wir haben schon viele Tiere gehen lassen müssen, in unserem Zuhause begleitet, oder in Rumänien im Shelter noch ein letztes Mal im Arm gehalten, als der letzte Atemzug ging. Es ist schwerer, wenn man so eine intensive Zeit mit einem Wesen verbracht hat – seit Wochen vergeht kein Tag, an dem ich nicht jede freie Minute abzwacke, oft bis in die Nacht hinein, um Mikesch eine schöne letzte Zeit zu schenken.
 
 
Der Egoismus darf auf dem letzten Weg niemals dabei sein und wir müssen für Mikesch entscheiden. Wenn wir noch länger weitermachen, würde das wahrscheinlich täglich mehr Schmerz für ihn bedeuten, wahrscheinlich sogar weitere Knochenbrüche, weil die Knochen bereits so porös an manchen Stellen sind, dass unter anderem deshalb ja auch keine weitere OP möglich war. Noch ist er die meiste Zeit mithilfe der Schmerzmedikation gut drauf, und ich finde, dass sein letzter Tag einer sein soll, der am Ende schön war, dass er nicht nur Schmerzen im Bewusstsein mitnimmt, wenn er geht, sondern die ganze Liebe und die schönen Momente, die er hier hatte…
 
 
Wir haben glücklicherweise eine wundervolle Tierärztin, die für unsere Tiere zu uns nach Hause kommt, wenn sie das Leben verlassen.
 
So, jetzt gleich werde ich auf diesen blöden “Posten”-Button drücken und damit ganz viele Menschen traurig machen, was mich wiederum auch richtig traurig macht… Bitte sendet Mikesch, auch wenn ihr so wie ich weinen müsst, eure guten Gedanken, Segen und Liebe… Wir werden dieses Wochenende ganz, ganz intensiv zusammen genießen, wenn es sein muss, trage ich ihn die ganze Zeit… Und dann darf er seinen verletzten Körper, der einfach nicht mehr heilen mag, friedlich verlassen…

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