Herkunftsland / Ort: Rumänien, Campina
Geschlecht: weiblich
Schulterhöhe: 65 cm
Geburtsdatum: ca. 2015
Auf Gnadenplatz seit: August 2020
Verstorben: April 2026
jetzt bist du nicht mehr hier und ich kann es noch nicht richtig fassen.
Ja klar, es stand lange im Raum und die Sorge, dass ich dich bald loslassen muss, war seit deinem Kreuzbandriss vor über einem Jahr unterschwellig mein ständiger Begleiter. In den letzten Wochen hast du stark abgebaut und es stellte sich heraus, dass das Kreuzband an deinem anderen Bein nun auch durch ist… Du konntest nicht mehr gut aufstehen und kaum noch laufen, hattest starke Schmerzen und hast keine bequeme Schlaflage mehr gefunden. Du hast mir deutlich signalisiert, dass du bereit warst zu gehen.
Mich fluten die Erinnerungen…
Im August 2020 kamst du zu uns auf den Lünhübel, vorher wurdest du schon ein paar Monate auf dem Gieshübel aufgepäppelt, bis dein Platz bei uns frei wurde. Und du warst von Anfang an so ein lustiges Mädchen. Dein Staupetick, dein verletztes Auge, deine schwere Epilepsie, deine heftigen Ohrenentzündungen, deine Arthrosen… egal… haste dir gesagt und hast einfach gelebt, im Augenblick, in der Gegenwart, was wir Menschen so schlecht können.
Und noch nie hat ein Hund bei mir gelebt, der mich dermaßen gefordert hat, der mich so oft in Panik versetzt hat. Dabei warst du absolut unkompliziert im Umgang… außer… der Tatsache, dass du (vermutlich durch die Staupe), deinen Geruchs- und Geschmackssinn so gut wie verbummelt hattest, in Kombination mit deinem ständigen riesigen Hunger… eine Katastrophe. Kabel, Waschpulver, Kartonagen, der Plastikgriff von der Müllschippe… und nicht nur angeknabbert… komplett aufgefressen hast du das Alles. Ich erinnere mich daran, dass du in einem sehr schneckenreichen Jahr, immer mit dem Kopf unten, auf dem Grundstück unterwegs warst und die Schnecken kiloweise gesnackt hast, wie Pralinen… bis ich das gemerkt habe. Neues Hobby von mir ab dem Zeitpunkt: Morgens und abends ’ne Stunde das Grundstück zentimetergenau absuchen und die Schnecken vor dir und dich vor dem, was Schnecken so mit deinen Eingeweiden und der Epilepsie gemacht haben, retten.
Die Krönung war, dass du einmal sogar ein Fensterbrett (aus einer OSB-Platte zugegeben) gefrühstückt hast.
Ja, du warst besonders und du wurdest hier von allen Menschen sehr geliebt.
Zu den Hunden warst du super freundlich, und du hast überhaupt nicht verstanden, warum dich so Viele erst mal abgelehnt haben. Du wusstest ja nicht, dass du sehr groß, sehr schwarz und dadurch sehr imposant daher kamst. Wenn die Anderen dann gemerkt haben, dass du eigentlich nur ein riesiges Hundekind warst (bis zuletzt tatsächlich), haben sie dich überhaupt nicht mehr für voll genommen, sind dir direkt übers Gesicht gelaufen, haben dir die Leckerlis aus der Schnauze geklaut (Julia!) und ich musste dich vor so manchen Respektlosigkeiten schützen.
Bei aller Schrulligkeit, die du so an den Tag gelegt hast, warst du gefühlt immer in deiner Mitte und das ommmm schwebte über deinem Köpfchen. Mein ommmm ist in den letzten Jahren so manches Mal auf der Strecke geblieben, so sehr hast du mich beansprucht. Aber weißte Suse, du warst jede schlafarme Nacht, jeden Gedankenkreisel, jeden Euro, jede Träne, jede Sorge und jede Minute meiner Zeit wert. So ein besonderes Schneeflöckchen begleiten zu dürfen, ist ein absolutes Geschenk. Ich bin an dir gewachsen und ich bin unendlich dankbar, dass du in meinem Leben warst.
Es ist schrecklich leer hier ohne dich und es wird eine ganze Zeit brauchen, bis ich deinen Verlust verarbeitet habe.
Du fehlst mir sehr.
Mach’s gut meine Zen-Meisterin, wir sehen uns hinter der Brücke wieder. Ich bringe Hühnchen mit.
——————
Also sagen wir mal so – ich ticke nicht ganz richtig.
Wahrscheinlich habe ich auch nicht alle Tassen im Schrank.
Mein Dasein ist eine ständige Zitterpartie und zwischendurch haut es mir sogar die Sicherung heraus.
Keine Sorge, ich komme klar damit, ich kenne das ja schon ziemlich lange.
Wenn ich dann voll in Fahrt komme und mit den anderen auf dem Hof herumwetze, dann kann ich das Zucken und Zappeln kompensieren.
In meinem alten Leben als Susana in dem rumänischen Tierheim war das nicht so nett.
Da lag ich als ein Bündel Hoffnungslosigkeit in der Ecke und niemand konnte helfen. Nicht bei dem Staupetick und nicht bei den epileptischen Anfällen.
Als ich erst zu Jess auf den Gieshübel und dann zu Uta auf den Lünhübel durfte, war ich Konglomerat nicht reparierbarer Baustellen und ein großes Paket Verwahrlosung.
Verfilzt, stinkend, Staupetick, Epilepsie, Milben, ein Auge blind und
Ich habe meinen Geruchs-und Geschmacksinn verbummelt. Also zumindest ist der nur noch eingeschränkt vorhanden.
Und Leute, genau da liegt das Problem
Ich brauche dringend Paten.
Nicht für mich, sondern für Pflegefrauchen Uta.
Sie benötigt eine wöchentliche Grundversorgung mit Klosterfrau Melissengeist, Eierlikör und Schokodrops.
Sie muss zwingend ihre Nervenkraft stärken und ihre Todesängste besänftigen.
Dann brauchen wir ferner ein Lieferabo für Sauerkraut -für mein strapaziertes Gedärm.
Diese Woche befanden sich darin: die Schnalle von meinem Sicherheitsgeschirr, das Gala-Magazin, dass Frauchen beim Zahnarzt geklaut hat, die zusammengeschrumpften Luftballons aus der Scheune.
Letzte Woche: der abgenagte Rand meines Plastikkörbchens, das Handykabel, Utas Tankkarte, die Pampers von Willy Wurstsalat und die Fransen vom Bettvorleger.
Ihr seht, es ist Gefahr in Verzug und Sauerkraut nötiger denn je.
Wenn Frauchen kurz weg muss und ich nicht unter Aufsicht bin, steckt sie mich in ein karges Verlies ohne lebensbedrohliche Materialien.-überlege allerdings, ob ich nicht den Putz von den Wänden schaben kann, um dann kleine Backsteine zu kacken. Gibt noch einiges zu bauen auf dem Hof.
Nach dem Motto
Susi Sockenschuss-never give up
Alles andere was ich sonst brauche, wie Medikamente, Physiotherapie, Nahrungsergänzungs-Mittel, schlägt ganz schön zu Buche. Deshalb wünsche ich mir Paten, die helfen, mein schönes Leben hier dauerhaft zu finanzieren.
Also: sollte jemand noch sein Scherflein in mein aus Kruppstahl gehämmertes Fressnäpfchen werfen wollen, nur zu.
Ich kann euch versichern, es ist eine sinnvolle Investition
Eure
Susi Sockenschuss
Der ver-rückteste ,liebenswerteste, dankbarste und außergewöhnlichste Hund auf dem ganzen Lünhübel
———————————————-
Susana – in Campina von Staupe und Hautmilben geplagt, durfte sie im Mai 2020 auf unseren Tierschutzhof reisen. Erstmal auf den Gieshübel, da in Lünen kein Platz war. Aber im August bezog sie ihren Gnadenplatz auf dem Tierschutzhof Lünen bei Uta und Anne.
Susana hat das volle Paket gebucht: Staupetick, Epilepsie, auf dem rechten Auge blind und noch dazu ist ihr Geruchssinn beeinträchtigt
Aber das hält das Mädel nicht davon ab, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen, wie ein junger Rehbock durch den Garten zu springen, mit den anderen Hunden zu spielen und einfach mal nur fünfe gerade sein zu lassen. Die große Wuscheline hat dabei ordentlich Spaß in den Backen
Und den darf sie haben – sie bleibt auf dem Lünhübel.

